WIE BITTE?! oder: Merkwürdige Kinderlieder.

Ich singe gern.

Da trifft es sich gut, dass jeder Erziehungsratgeber rät, zwecks Förderung des musikalischen und sprachlichen Gefühls des Nachwuchses die elterlichen Stimmbänder so früh wie möglich in Schwingung zu versetzen. Eine Win-Win-Situation also – ich tu’ es gern und das Kind verknüpft derweil fleißig seine Synapsen.

Allerdings hoffe ich, dass es dabei nicht immer so ganz genau hinhört. Einmal, weil ich sicher nicht alle Töne treffe. Aber vor allem, weil manche Kinderlieder wahrlich merkwürdige Nachrichten transportieren.

Zum Beispiel:

Häschen in der Grube

saß und schlief, saß und schlief.

Armes Häschen bist Du krank,

dass du nicht mehr hüpfen kannst?

Häschen hüpf, Häschen hüpf, Häschen hüpf!

Der arme Löffler ist echt nicht gut drauf, hat sich in seine Grube zurückgezogen, will offenbar niemanden sehen, hat Migräne oder ist vielleicht sogar ernsthaft erkrankt, aber trotzdem soll er sich gefälligst hasengerecht verhalten, Stimmung machen und durch die Gegend hüpfen.

Diese Message wird Kindern seit der Mitte des 19. Jahrhunderts eingetrichtert.

Und dann wundert man sich, dass jetzt alle Burnout haben.

Es liegt am Lied!

Das ist aber nicht der einzige Problemfall. Sehr fragwürdig ist auch Machet auf das Tor. Kennt Ihr?

Machet auf das Tor, machet auf das Tor, es kommt ein gold’ner Wagen.

Wer sitzt darin, wer sitzt darin? Ein Mann mit gold’nem Kragen.

Was will er denn, was will er denn?

Er will [… hier Namen des Kindes einfügen …] haben!

Da muss man doch erstmal durchatmen, oder? Das geht doch nicht! Da muss man nichts erklären, das muss man umtexten!

Dann gibt es da noch den höchst bedenklichen Fall eines Mops-Massakers:

Ein Mops kam in die Küche

und stahl dem Koch ein Ei.

Da nahm der Koch den Löffel

und schlug den Mops zu Brei…

In unserem Alltag predigen wir unseren Kindern Gewaltfreiheit und dass sie den kleinen Marcel auf gar keinen Fall! hauen dürfen, auch wenn er mit Sprösslings Lieblingsbagger abziehen will, und dann trällern wir fröhlich ein Liedchen über eine Hinrichtung wegen Eierdiebstahls.

Ich bin entrüstet.

Zum Glück gibt es natürlich auch sehr unverfängliche Lieder.

Brüderchen, komm tanz mit mir

Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann

Ich bin ein kleiner Tanzbär

Schmetterling, du kleines Ding, such dir eine Tänzerin

Ihr erkennt da thematisch ein Muster?

Tatsächlich?

Reiner Zufall.

Wirklich!

 

Advertisements

10 thoughts on “WIE BITTE?! oder: Merkwürdige Kinderlieder.

  1. Ich grinse breit und gebe Dir recht. Diese und ähnliche Erkentnisse hatten ich schon beim Zuhören, als Papa der Thronfolgerin Märchen zum Einschlafen erzählte… ich denke das ist die selbige Thematik. ;-)

  2. oder “Guten Abend, gute Nacht” die Zeile “(…)wenn Gott will, wirst du wieder geweckt(…)” – und was ist wenn er nicht will? Schrecklich bedrückend fand ich das Lied schon als Kind. Und jetzt noch mehr. Deinen Post hingegen wie immer sehr amüsant. ;)

    1. Liebe Claudia, genau das habe ich als Kind auch empfunden! (Wir müssen WIRKLICH Kaffee trinken!) Das neue Design Deiner Seite gefällt mir übrigens ausgesprochen gut! Ich wünsche Dir eine gute Woche! Anne

Freude? Frage? Anregung? Kritik?

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s