“Das… äh… ist ein… Laster.” (Mama auf dem zweiten Bildungsweg.)

Man ahnt es ja, aber sicherheitshalber äußere ich es noch einmal explizit: Ich bin eher künstlerisch veranlagt. Ich bin weder Fahrzeugtechnikerin noch Ingenieurin. (Dann hieße mein Blog „Mama konstruiert“).

Meine Unkenntnis in Fahrzeugkunde gereicht mir gerade sehr zum Nachteil.

Denn: Töchterchen liebt Baustellen.

Da blinkt es, da lärmt es, da ist Bewegung, und irgendwann, meist Monate nach Ankündigung, wird der Bauzaun entfernt, und dann steht da was Neues.

Mit diesem Wissen über Baustellen kam ich bisher ganz gut über die Runden.

Bisher.

In der Stadt wird zur Zeit viel gebaut.

Und ich habe alle Möglichkeiten, mich zu blamieren.

„Da!“, zeigt das Kind mit befehlendem Zeigefinger auf einen… mh… Laster? „Das ist ein Laster, Herz“, erkläre ich.

„Muldenkipper. Das ist ein Muldenkipper.“ Der vierjährige Dreikäsehoch links von uns mustert mich und schüttelt dann ungläubig den Kopf. Mütter.

„Da!“ Das Kind hat ein neues Objekt erspäht.

Das weiß ich. Gott sei Dank.

„Das ist ein Bagger, Schatz. Ein Bagger.“

„Frontlader“, korrigiert mich der kleine Experte, dieses Mal, ohne den Blick vom Treiben vor uns zu wenden. „Das ist kein Bagger. Das ist ein Frontlader.“

Frontlader. Natürlich.

„Da!“

Groß, gelb, laut, mit Schaufel.

Ich beginne, zu schwitzen.

Denk nach, Anne, denk nach!

„Das ist…ähm… also…“, äußere ich fachkundig.

Jetzt sieht der Junge mich an. Sagt nichts, guckt nur herausfordernd. „Weiß die überhaupt IRGENDWAS?“, scheint er zu denken. Er erinnert mich an meinen alten Physiklehrer. Fehlt nur noch, dass er eine Augenbraue hochzieht.

Er zieht eine Augenbraue hoch.

„DAS ist ein Bagger“, sagt er schließlich gönnerhaft und wendet sich wieder dem Geschehen zu.

Schlaumeier.

„Und wir müssen dann jetzt auch los.“ Ich schiebe die Karre an.

Schnell weg hier.

Auf dem Weg nach Hause springe ich noch flugs in die Buchhandlung.

„Ich brauche ein Buch über Baustellenfahrzeuge. Für mich.“

Die Buchhändlerin schaut mich an. Schaut das Kind an. Schaut wieder mich an.

Lächelt.

„Ja, da habe ich was.“

Sie führt uns zu einem Regal und zieht ein dickes Buch heraus.

Meine ersten großen Fahrzeuge“ von Stephan Baumann. Fangen Sie damit an.“

Es ist aus der Kategorie 18 Monate +.

Aber was soll ich sagen?

Das Buch holt mich da ab, wo ich stehe.

Und nun entschuldigt bitte, wir gehen gleich zum Spielplatz und kommen an zwei Baustellen vorbei.

Ich muss nochmal schnell den Stoff durchgehen.

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16 thoughts on ““Das… äh… ist ein… Laster.” (Mama auf dem zweiten Bildungsweg.)

  1. Schon lange habe ich nicht mehr so bei einem Artikel gelacht. Großartig! Ich freue mich schon auf die Phase bei meiner Kleinen, wer weiß, was sie spannend finden wird. ;)
    Liebe Grüße, Becky

  2. Kenn ick. Unser Kind steht auch auf Fahrzeuge. Die werden abgöttisch geliebt und benannt. Frontlader, Ballenpresse, Milchwagen…ick weeß bescheid und kenne mich aus. Gerne gebe ick dir Nachhilfestunden. Natürlich getanzt. ;-)

  3. Ob ich mir mal deine neue Lektüre ausleihen dürfte? Wir müssen auch an jeder Baustelle (bei uns reißen sie gerade den halben Stadtteil auf) anhalten. Noch gibt sich der kleine Mann mit “Bagger” und “Laster” zufrieden, aber demnächst sollte da von mir mehr Fachwissen kommen. Ich befürchte nämlich, Sohnemann wird im Bereich Nutzfahrzeuge so ein Neunmalklug wie du beschrieben hast.
    LG, Sandra

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