Mama hat Frauenabend. (Mit Zeitschrift.)

Herr Mamatanzt (Papatanzt? As if! Der bindet sich ja schon beim Foxtrott-Grundschritt einen anderthalb Rundtörn mit zwei halben Schlägen in die Beine. Schande, bei derart großartigen Füßen.) … also, Herr Mamatanzt ist auf Dienstreise. Der heutige Abend gebührt also mir, mir alleine.

Um 19 Uhr ist das Kind verstaut. Ich kann die ungewohnte Freizeit kaum fassen und sitze auf dem Wohnzimmerboden wie die Lütte beim ersten Besuch im Bällebad.

Boah.

Diese Möglichkeiten!

Zeit, etwas Schönes zu essen – einen Frühlingssalat mit Lachs?

Zeit für gute Lektüre, vielleicht einen Klassiker?

Keine fünf Minuten später sitze ich mit Frauenzeitschrift und Schokopudding auf dem Sofa.

Die ultimative Entspannung aus Studententagen soll auch an diesem Abend ihre Wirkung nicht verfehlen.

Denke ich.

Exakt drei Minuten lang.

Nein, es liegt nicht am Schokopudding. Der ist klasse, wenn auch, wie immer, in bedeutend zu kleinem Becher.

Das Problem ist die Zeitschrift. Offenbar habe ich lange kein Exemplar dieses Genres mehr in den Fingern gehabt.

Es fängt mit Werbung an. Mit viel Werbung. Dann, ich rechne schon fast nicht mehr damit, kommt ein Editorial, dann Werbung, dann das Inhaltsverzeichnis, Werbung, dann das Impressum, eine Parfümprobe, Werbung, dann die Heftvorschau, und dann bin ich durch.

Das stimmt natürlich nicht. Ich übertreibe. Irgendwo auf meinem Weg durch das Heft begegne ich einer Modestrecke und lerne, dass man jetzt Transparent trägt. Ich halte diesen Trend für mit meinem derzeitigen Lebensstil kaum bis gar nicht vereinbar und wage zu prognostizieren, dass sich das auch zukünftig schwerlich ändern wird.

Ich blättere deshalb weiter, um kurz darauf über Flirt-Tipps zu stolpern. Zu spät. Die Hochzeitstorte ist lange verputzt. Ich mag Herrn Mamatanzt trotz seiner zwei linken Beine und plane nicht, ihn zu ersetzen.

Als nächstes stoße ich auf die Rubrik „Runwaylooks im Office“. Dieses Thema tangiert mich zur Zeit noch nicht einmal peripher. Ich bin gerade in der „Yogahose im Supermarkt“-Phase. Laufsteg ist mir zu hoch.

Ich schlage einige Seiten um und lande bei den neuesten Frisurentrends. Das Kind würde verhungern (na gut, zumindest höchst irritiert gucken), wenn ich mich morgens ins Bad stellte mit der Absicht, mein Haupthaar zu einem eleganten Flechtkunstwerk mit Schleife zu türmen. Ähnlich würde es sich verhalten, wenn ich mir ab morgen grüne Balken über die Augen malte, wie in den Schminktipps empfohlen wird.

Spätestens beim Special zu „aufregenden Citytrips“ in „angesagte Szenehotels“ ahne ich, dass das nichts mehr wird mit mir und der Zeitschrift. Ich brauche kein angesagtes Szenehotel mehr, ich brauche eins mit Hochstuhl.

Ich lege die Zeitschrift beiseite.

Sie ist nichts mehr für mich.

Ich bin jetzt offiziell im richtigen Alter für Klassiker.

Ich entscheide mich für einen verfilmten.

„Die Simpsons“.

Von Dostojewski.

(Glaube ich.)

:)

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19 thoughts on “Mama hat Frauenabend. (Mit Zeitschrift.)

  1. Oh, ich glaube mir wird es auch so gehen. Habe Zeitschriften rumliegen und lese sie nicht. Doch wenn ich es bald tue werde auch ich feststellen, daß wir nicht mehr zusammenpassen. Ich hatte schon länger so ein Gefühl, schön daß du es jetzt in Worte gefasst hast! :)
    Viele Grüße Nadine

  2. Sehr schön geschrieben! Kenn ich! :)
    So klassische Frauenzeitschriften lese ich mittlerweile tatsächlich nur noch beim Friseur oder Arzt (falls ich da mal hinkomme)…ansonsten mag ich: Flow, Nido, Eltern, Land&Kind, Brigitte Mom – die decken halt die Themen ab, die in dieser Lebensphase wirklich für uns interessant sind….
    LG
    Julia

  3. Herrlich :) Komme gerade vom Frisör und habe vier Kilo Werbung konsumiert! Du hast ja sooooo recht! Aber mit der Tageszeitschrift klappt es bei mir leider auch nicht: ich nehme ambitioniert jeden Samstag eine dicke Zeitung mit beim Bäcker und entsorge diese (ungelesen) am kommenden Samstag, wenn ich die neue auf den Tisch schmeiße! Ich bin auch reif für die Simpsons… Flow kenne ich leider nicht, weder als Blatt noch als Zustand…aber danke für den aufgeschnappten Tipp!

    1. “Flow” als Blatt verhilft zum Flow als Zustand – ist wirklich gut gemacht! Sonst müssen wir halt auf Marge & Co zurückgreifen, wobei ich vermute, dass die ihren blauen Haarturm auch aus so’nem Frauenblatt hat. :)

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