Im Kostüm (Ganzkörperschutzanzug).

Ich werde misshandelt.

Ich habe zwei Kratzwunden am Kinn. Mir wurde ein Schaukelelch (na, wo wir den wohl herhaben…) gegen das linke Schienbein gerammt und eine Soßenkelle über die Rübe gezogen. Zahnabdrücke prangen in meinem Oberschenkel. Ständig werde ich gezwungen, in gebückter Haltung zu laufen, und man foltert mich mit Schlafentzug: Jeden Morgen steht eine Sirene neben meinem Bett und macht Alarm.

Klarer Fall von Elternmissbrauch. Wo kann ich das melden?

Nirgendwo.

Jeder denkt an die süßen kleinen Kinder. Keiner denkt an die geschundenen Eltern.

Damit wir uns richtig verstehen: Ich bin ein großer Befürworter des Jugendamtes. Routinemäßig kommt in unserem Städtchen nach der Geburt eine nette Dame von ebendiesem Amt vorbei und bringt einen Haufen Broschüren, Tipps, Gutscheine und eine Haba-Rassel mit. Ernsthaft, das ist hier Standard. Man kann den Besuch natürlich auch ablehnen, aber warum sollte man? Ich war damals viel zu neugierig, und außerdem war die Reaktion von in anderen Städten lebenden Freunden, denen man berichtete, dass hier am Mittwoch das Jugendamt vor der Tür stand, unbezahlbar. Ok, ich gebe zu, ich habe vor dem Termin noch mal durchgesaugt. (Man weiss ja nie.) Es wurde dann ein wirklich netter Nachmittag mit dem Jugendamt.

Warum gibt es kein äquivalentes Elternamt? Wo bitteschön ist die entsprechende Gleichstellungsbeauftragte?

Ich stelle mir eine Anlaufstelle vor, die jederzeit Pflaster, Trost, Schutzkleidung, gute Worte und Cocktails bereithält (alkoholfrei für die Stillenden). Eine Notfallhotline sollte es auch geben, und als Warteschleifenmusik will ich was Fetziges, das mich von den akuten Schmerzen ablenkt. “Highway to hell” wäre kontraproduktiv.

Sobald ich Zeit habe, starte ich eine Petition. Ich will ein Elternamt. Ich würde mich auch sofort bereiterklären, die Leitung zu übernehmen. (Ich kann gute Cocktails.) Bis dahin kann ich hoffentlich den Rachegedanken, mich eine Viertelstunde vor der üblichen Aufstehzeit meiner Tochter neben ihr Bett zu stellen und einfach mal fröhlich loszubrüllen, unterdrücken.

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8 thoughts on “Im Kostüm (Ganzkörperschutzanzug).

  1. Die Rache gibt es dann später, wenn die Kinder 5 Uhr morgens aus der Disko kommen, aber um 6 Uhr schon gefrühstückt wird und sie mit am Tisch sitzen MÜSSEN: ;-)

  2. So ein Elternamt wäre tatsächlich eine tolle Sache. Sobald es Termine zu vergeben gibt, mich bitte berücksichtigen. Allerdings muss ich vorab mit meinem Folterer Rücksprache halten, ob ich zum vorgeschlagenen Termin Ausgang bekomme.

    Bei uns wird man nach der Geburt auch vom Jugendamt angeschrieben. Damals hatte ich keinen Kopf für so etwas und habe den Termin sausen lassen. Seitdem befürchte ich aber, dass ich bei denen auf der Liste stehe und die mal unangemeldet vor der Wohnungstür stehen :-)

    1. Das Elternamt wird auch Alibis ausstellen, die die kleinen Terroristen auf eine falsche Fährte locken, sobald der Termin ansteht. “Ah, sie will Pampers kaufen”, denkt das Kind dann und lässt uns gnädig ziehen, derweil wir uns auf unseren Cocktail (mit Schirmchen) freuen. :) Und wegen des JA mach Dir keine Gedanken, die werden viel zu beschäftigt sein, Bewerbungen zu schreiben. Die wollen alle ins Elternamt wechseln. :)

  3. Sehr geehrte Frau von und zu Mama tanzt, ich hoffe, Sie sind die richtige Ansprechpartnerin für mein Anliegen. Ich möchte gern meinen Joghurt-Pina Colada auf die Liste des Elternamtes setzen lassen. Es gibt ihn mit und ohne Alkohol. Ich freue mich, von Ihnen zu hören. MfG

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