Mama, müde im Spagat.

Julia hat eine sehr interessante Diskussion zu einer kürzlich ausgestrahlten Sendung gestartet, die ich gern aufnehmen möchte.

„Unter Müttern“ hieß eine Dokumentation im ZDF, die in der Nacht zum 11.12. gezeigt wurde. Tenor der Sendung: Arbeitende Mütter sind oft müde.

Schade. Ich hatte mir mehr erhofft.

Ja, vielleicht ist es hilfreich, sich zu vergewissern, dass man nicht allein ist, wenn das Leben Kopf steht, weil Kind und Job koordiniert werden müssen. In dieser Hinsicht mag die Dokumentation helfen. Auf der anderen Seite: Brauchen Frauen diese Rückversicherung? Wir wissen doch, wie der Hase läuft. Wenn mir eine Mutter, ob mit oder ohne Job, verkaufen wollte, dass ihr Leben ein einziger Ponyhof wäre, würde ich diesen Ponyhof wirklich gerne besuchen. Zu Anschauungszwecken.

Aber: Ich kenne keine solche Mutter.

Auch hat mich noch niemand mit der Aufforderung herausgefordert, das sei doch alles ganz easy zu stemmen, und bitte schön in High Heels. Hatte ich diesbezüglich bisher einfach Glück und ein ehrliches Umfeld von Müttern, die Tacheles reden? Woher kommt der vielzitierte Druck, alles mit links managen zu müssen? Wer hat das je ernsthaft von einer Mutter gefordert? Das interessiert mich wirklich sehr.

Ist der vermeintliche Anspruch nach der perfekten „Working Mum“, der oft allgemein der Gesellschaft angelastet wird, nicht möglicherweise selbstgebraut im eigenen Stübchen? Weil man als Frau nach Ausbildung oder Studium von sich selbst erwartet, sein Zeugnis nicht ungenutzt über der Wickelkommode gerahmt zu sehen?

Kommt der Druck gar nicht von aussen, sondern von innen?

Dann ist gut beraten, wer nachsichtig mit sich sein kann. Nichts ist perfekt. Leider. Und zum Glück.

Was denkt Ihr?

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4 thoughts on “Mama, müde im Spagat.

  1. Liebe Anne,

    (ich kopier dir mal meinen Kommentar auf deinen Kommentar als Kommentar auf deinen Post hierhin! ;-) )

    Wieder ein toller Text, ich kann alles absolut unterstreichen!!
    Ich glaube, darum ging es tatsächlich: Die Rückversicherung, dass es anderen Müttern auch nicht leicht fällt. Dass wir alle im selben Boot sitzen und alle mit denselben Problemen zu kämpfen haben.
    Aber das ist weder neu, noch besonders hilfreich, da es ja die Probleme nur bestärkt, anstatt Lösungen aufzuzeigen. Klar, vielleicht gibt es diese Lösungen ja auch einfach nicht – aber diese ganze Resignation, die die Doku ausgestrahlt hat, spiegelt die Situation ja auch nicht wieder. Zumal, wie du ja auch schreibst, diese hohen Erwartungen ganz bestimmt hausgemacht sind, da ja mittlerweile in der Gesellschaft angekommen sein muss, dass die Vereinbarung von Beruf und Familie a) verdammt anstrengend und b) meist zu Lasten der Mutter geht.

    Ich persönlich möchte am Ende des Tages mein Diplom nicht über der Wickelkommode hängen sehen (herrliches Bild :D) – ich möchte aber auch nicht die Zeit mit meinem Kind missen. Daher brauchen wir Lösungen – Telearbeit, Arbeitszeitmodelle, “Neue Väter”, was weiß ich. Ein resignatives Verharren in dieser Situation, wie in der Sendung dargestellt, bringt niemanden weiter. Und mehr Nachsichtigkeit sich selbst und auch anderen Müttern schadet ganz bestimmt auch nicht! :)

    Alles Liebe deine
    Julia

    1. Liebe Julia,
      danke für Deinen Kommentar!
      Mir geht es wie Dir und vielen anderen Müttern, die eine lange Ausbildungs- oder Studienzeit hinter sich haben: Ich möchte beides – meine Qualifikation nutzen UND für meine Familie da sein.
      Heute hatte ich ein Vorstellungsgespräch. Die Kommission bestand aus drei Frauen, und eine der wesentlichen organisatorischen Fragen war tatsächlich, wie die Arbeitszeiten flexibel und kinderfreundlich gestaltet werden könnten. Ich war begeistert! Ob es daran lag, dass die Personalverantwortlichen Frauen waren und meine Situation aus eigener Erfahrung kannten? Wie auch immer nun meine Bewerbung ausgehen wird – das Signal war, dass man sich offen gezeigt hat für eine Bewerberin mit Familie, und das motiviert und macht Hoffnung!
      In diesem Sinne:
      Einen schönen Abend!
      Anne

  2. Ich habe den Beitrag leider (noch) nicht gesehen. Grundsätzlich ist es für mich aber schon gut zu wissen, dass es anderen Müttern auch so geht, und ich nicht die einzige bin, die den ganzen Tag nur schlafen könnte. Seit ich wieder arbeite fehlt mir der Mittagsschlaf, den ich sonst mit meinem Wirbelwind gemacht habe. Es ist schon eine Umstellung.
    Und ich denke, dass die Gesellschaft schon dazu beiträgt, dass wir Frauen manchmal denken, wir funktionieren nicht richtig. Denn in Zeiten von “Work-Life-Balance” sind doch alle Voraussetzungen erfüllt, dass wir alles unter einen Hut bringen können. Und sollte man doch mal gestresst sein, dann gibt es Kaffee, Vitamintabletten und Matratzen, die uns helfen, so suggeriert zumindest die Werbung. Wie das Muttersein wirklich ist, habe ich erst erfahren, als ich wirklich Mutter war…
    Lieben Gruß, Wiebke

    1. Liebe Wiebke, Du hast sehr recht, Mutterschaft kann man nicht im theoretischen Konzept erfahren, da braucht es schon ein eigenes Kind in der Wiege – vieles ist anders, als man es sich vorgestellt hat. Schön finde ich, dass man durch diese Erfahrung neue Seiten an sich entdeckt; schwierig wird es aber, wenn “Kaffee, Vitamintabletten und Matratzen” (gerade die Matratzen-Idee finde ich sehr schön :)) ein Idealbild von Work-Life-Balance erfüllen helfen sollen. Die Work-Life-Balance ist ein Konstrukt, eine nette moderne Idee, die selten aufgeht – die Doku zeigt, dass es es eher ein Work-Life-Juggling ist, das wir Frauen stemmen… Und natürlich ist es gut, zu wissen, dass man mit dieser Erfahrung nicht allein ist. Keine Mutter ist perfekt. In diesem Sinne: Ich sitze hier mit wilden Haaren in einem wilden Wohnzimmer, und das am Sonntag um 11 Uhr. Unfrisierte Frauen vor! :)

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