Über Nähe und Distanz (Dys-Tanz?)

“Eine Freundin hat mir gekündigt. Auf einer Geburtstagsfeier eines gemeinsamen Freundes. “Wir haben uns auseinandergelebt”, sagte sie, nachdem sie mir förmlich die Hand geschüttelt hatte. Und dass sie keinen Kaffee mehr mit mir trinken wolle.

Es ist für mich das erste Mal, dass eine Freundin eine Freundschaft offiziell beendet. Dass Freundschaften auslaufen, kenne ich. Die Interessen verschieben sich, man zieht in eine andere Stadt, hat weniger Zeit. Es gibt viele Gründe.

Der Grund dafür, dass unsere Freundschaft vorbei ist, liegt darin, dass ich mich nicht genug eingebracht hätte. Ich habe spät von meiner Schwangerschaft erzählt, aus ganz verschiedenen Gründen, das hat sie enttäuscht, das weiss ich jetzt.

Zur Geburt hatte sie eine SMS geschickt. Danach hatten wir über unsere Männer Kontakt, die befreundet sind. Sonst habe ich nichts von ihr gehört. Ja, das war wenig, und ja, ich habe mich darüber gewundert. Aber wie im Tanz ist man  sich auch in einer Freundschaft nie zu allen Zeiten gleich nah. Für mich ist das in Ordnung.

Und nun dieser Vorwurf und das Aus. Ich bin verblüfft. Wir haben in den letzten Monaten beide wenig investiert. Was uns unterscheidet, ist der Anspruch, den wir an eine Freundin haben.

Denn es gibt in einer Freundschaft kein Anrecht auf Informationen aus dem Leben des anderen.  Man teilt, weil man teilen möchte, nicht, weil man teilen muss. Ich freue mich, wenn eine Freundin mir früh erzählt, wenn sie ein Kind erwartet. Ich freue mich genauso, wenn sie es im sechsten Monat tut. Sie wird einen Grund haben, es spät zu erzählen.

Es ist schön, wenn ein Mensch mir sein Vertrauen schenkt. Ich verlange von niemandem eine Rechtfertigung für Entscheidungen, die ihn allein betreffen. Das möchte ich auch für mich in Anspruch nehmen. Und deshalb ist es vielleicht ganz gut, wenn wir getrennte Wege gehen, bevor unser Tanz Dys-Tanz wird und die Füße zu schwer werden”,…

… sinniere ich und weiss nicht, wie ich das Wortspiel finde.

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2 thoughts on “Über Nähe und Distanz (Dys-Tanz?)

  1. Ich bin von Janinas Blogparade zu Julias Post und von dort auf Deinen Beitrag gestoßen. Schon witzig, wie alles miteinander verlinkt ist ;-)
    Mir hat Deine Aussage gefallen: “Denn es gibt in einer Freundschaft kein Anrecht auf Informationen aus dem Leben des anderen. Man teilt, weil man teilen möchte, nicht, weil man teilen muss.” Ich finde Du hast recht, auch wenn ich in der Vergangenheit selber darüber anders gedacht habe. Als mir meine Schwester (für mich gleichzeitig die beste Freundin) beispielsweise erst nach drei Monaten erzählte, dass sie schwanger ist, habe ich mich gekränkt gefühlt, weil ich dachte, sie würde sofort nach dem Schwangerschaftstest zu mir rennen und mit mir über ihre Gefühle, Ängste, Hoffnungen und Pläne reden. Ich kann also auch die andere Seite ganz gut verstehen, würde deshalb aber niemals eine Freundschaft kündigen.
    LG Wiebke

    1. Liebe Wiebke,
      ja, Du, Julia, Janina & Co – wir alle sind inzwischen schon ein richtiges kleines Netzwerk! :)
      Viele Freundschaften definieren sich neu, wenn Freunde Eltern werden, und dass so viele über das Thema schreiben, zeigt ja, wie sehr es uns alle beschäftigt. Ich glaube, Nachsicht zu üben und so wenig wie möglich zu urteilen ist immer das beste Mittel, für Eltern wie auch für ihre Freunde (ob mit oder ohne Kinder). So können auch schwierige Phasen in Freundschaften überwunden werden.
      Ich wünsche Dir einen schönen Abend!
      Anne

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